Greenpeace Demonstration gegen Massentierhaltung durch die Innenstadt hat sich durch LIDL-Reaktion erübrigt.

„LIDL lässt Schweine leiden“ war unser bisheriger Slogan, wenn wir im Rahmen unserer Fleischkampagne vor oder in dem Discounter unsere Aktionen durchgezogen haben. Oft hat Greenpeace versucht, LIDL auf dem Verhandlungswege zur Verbesserung der Tierhaltung bei seiner Eigenmarke ‚Landjunker‘ zu bewegen. Mit dem unzureichenden von der Fleischindustrie kreierten Label Initiative Tierwohl sollte dem Verbraucher glaubhaft gemacht werden, das Fleisch, speziell das Schweinefleisch, von gut gehaltenen Tieren stamme. Dabei handelt es sich um unerhebliche Verbesserungen gegenüber dem gesetzlichen Standard, der laut einer von Greenpeace in Auftrag gegebenen Studie gegen das Tierschutzgesetz verstößt. Bei 60 % des deutschen Fleischverbrauchs handelt es sich um Schweinefleisch, und dieses sensible Tier muss am meisten unter den  Haltungsbedingungen leiden: zu wenig Platz, keine Kotecke, kein Auslauf, kupieren der Schwänze und Kastration ohne Betäubung, Fütterung mit Genfutter und zu sorglose Behandlung mit Antibiotika. Immer wieder bestätigten uns Verbraucher, dass sie für bessere Tierhaltung und bessere Qualität bereit seien, mehr zu bezahlen. Entsprechend unterzeichneten sie Protestpostkarten, die sie im Laden abgegeben haben oder die wir an die LIDL-Zentrale geschickt haben.

Da sich der Discounter immer noch nicht bewegte, haben wir unsere Aktionen verschärft mit bundesweiten Aktionstagen oder punktuell bei unterschiedlichen Läden, wo die Fleischauslagen mit Warnzetteln versehen wurden. Bei den neusten zeitversetzten Aktionen in mehreren großen Städten wurden die Schaufenster von außen derart beklebt, dass sich der Betrachter wie in einem Schweinestall vorkommen musste.

Schließlich hatten wir eine Demonstration am 3. 2. durch die Kölner Innenstadt geplant, an der bis zu Einhundert Personen einschließlich Fördererkreis teilnehmen sollten. Kurz vor dem Start, zwei Tage vor dem Protestmarsch, hat LIDL um ein Gespräch gebeten und ein Plan zur Verbesserung der Tierhaltung vorgelegt.

Daraufhin haben wir die Demo gestoppt und in eine Kundgebung umgewandelt. Etwa 20 Greenpeacer*innen und nahezu die doppelte Anzahl Interessenten und Förderer hatten sich in dunkler Kleidung versammelt, um der folgenden Kundgebung zu lauschen:

„Wir sind hier, weil wir bei LIDL für mehr Transparenz und besseren Tierschutz demonstrieren wollten.

 Die Produktion von billigem Fleisch hat immense Auswirkungen auf uns, unsere Umwelt, unser Klima und die Tiere. Deshalb arbeitet Greenpeace seit Anfang 2017 zu diesem wichtigen Thema.

 In den letzten neun Monaten haben wir immer wieder vor LIDL-Filialen gestanden, und LIDL dazu aufgefordert, ehrlich und klar zu kennzeichnen aus welcher Form von Haltung ihr Fleisch stammt. Mit über 400 Aktivitäten haben wir auf mangelnde Transparenz beim Fleischeinkauf und miserable Haltungsbedingungen in deutschen Ställen hingewiesen. Tausende Verbraucher haben mit ihrer Unterschrift ihren Wunsch nach einer besseren Tierhaltung an LIDL gerichtet.

 Am Donnerstag hat LIDL nun kurzfristig verkündet, eine Transparenzinitiative zu starten. LIDL will das gesamte Frischfleisch seiner Eigenmarke von Schwein, Rind, Pute und Hähnchen in ganz Deutschland mit einer 4-stufigen Haltungskennzeichnung versehen – ähnlich wie der Eier- Kennzeichnung. Und das schon ab April 2018!!

 Die Haltungskennzeichnung ist aufgeteilt in Stufe 1=Stallhaltung nach gesetzlichem Standard, Stufe 2=Stallhaltung Plus (Initiative Tierwohl), 3=Auslauf (darunter fallen Fleischprodukte z.B. mit dem Siegel des Deutschen Tierschutzbundes Einstiegs- und Premiumsstufe), 4=Bio.

 Anfang 2019 soll 50% der Frischfleischprodukte auf Stufe 2 sein. Es ist das erklärte Ziel, dass es langfristig kein Fleisch mehr mit Stufe 1 im Laden gibt.

 Wir finden, dass das ein großer Schritt in die richtige Richtung ist und ein echter Erfolg für Verbraucher. Damit erfüllt LIDL eine unserer wesentlichen Forderungen. Endlich können Verbraucher ab April 2018 bewusst bei LIDL wählen, welches Fleisch sie kaufen wollen, weil sie wissen aus welcher Haltung das Stück Fleisch stammt. Wir werden den weiteren Prozess aber genau beobachten.

 Denn die Stufe 2, mit der LIDL Fleisch aus der Initiative Tierwohl kennzeichnet, reicht uns aus Tierschutzsicht nicht aus. Auch dort werden die Tiere nicht viel besser gehalten, als beim Mindeststandard. Es darf nicht passieren, dass dieser Standard, wie er jetzt ist, zementiert wird. Wir haben deshalb deutlich gemacht, dass sich der Standard sukzessive verbessern muss. Wir können Verbrauchern derzeit nur empfehlen, zu Produkten mit 3 oder 4 zu greifen!

Und wir werden in weiteren Gesprächen mit LIDL Ziele und Zeit einfordern, wie Stufe 2 verbessert werden kann. Wenn LIDL Tiergesundheit und Tierwohl wirklich wichtig ist, muss das Unternehmen langfristig dafür sorgen, dass Fleisch aus tierschutzwidriger Haltung nicht mehr in LIDL-Filialen verkauft wird.

 Wir möchten deshalb heute nicht, wie geplant gegen die mangelnde Transparenz bei LIDL demonstrieren, sondern gemeinsam mit Euch LIDL motivieren, diesen zweiten wichtigen Schritt zu gehen. Wir werden an diesem Thema dran bleiben. Die Tierhaltung wird sich nicht von heute auf morgen verändern, nur weil ein Marktteilnehmer kennzeichnet. Wir werden uns daher auch weiterhin für eine Verbesserung der Fleischproduktion und für Alternativen zu dieser einsetzen.

 Wir wollen LIDL eine Chance geben, zu beweisen, wie ernst es ihnen mit der Tierhaltung ist. Ihr könnt unseren Flyer bei LIDL abgeben, um den Discounter zu motivieren und wir haben hier eine Liste, auf der sich alle eintragen können, die weiter informiert werden wollen und bei den nächsten Schritten dabei sein möchten.

 Vielen Dank, dass ihr alle gekommen seid!”

 

Köln, 4.2.18 / Manfred Bigge

 

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